lauberge-rougeVon der Auberge Rouge, also der Roten Herberge, einem eben solchen Etablissement in Frankreich, heißt es, dass dort zu Beginn des 19. Jahrhunderts über fünfzig Reisende von den Wirtsleuten ausgeraubt und umgebracht wurden. Soweit so grausam aber auch so wahr. Diese historische Begebenheit ist auch der Inhalt der mittlerweile vier Verfilmungen mit gleichem Namen. Dabei wird der Fall jedoch keineswegs als Horrorgeschichte oder dergleichen dargestellt. Vielmehr Ist „L’auberge rouge“ eine Komödie der schwärzesten Art, von deren Qualität allein schon die immense Kritik konservativer Kreise an der Version von 1951 zeugt.

Brutal komisch mit einer Menge Satire

Der Priester Canus und sein geschätzter Kollege Priesteranwärter Octave befinden sich auf dem Weg zu einem Kloster. Aufgrund des schlechten Wetters finden die beiden Zuflucht in einer Kutsche und müssen wegen des Unwetters schließlich die besagte Rote Herberge aufsuchen, mitsamt der neuen Gesellschaft: einem jungen Paar, der kratzbürstigen Schwiegermutter, einem Schneider, einem Anwalt, einem Holzfäller und schließlich Matilde. Diese ist die Tochter der Herbergsleute Pierre und Rose Martin, welche ihrerseits gerade damit beschäftigt sind, den letzten Gesagt zu Wurst zu verarbeiten. Die Wirtsfamilie ist nämlich eine geradezu ausgekochte Bande, verarbeiten sie doch ahnungslose Gäste in die Speisen, welche wiederum als Henkersmahlzeit für zukünftige Touristen aufgetischt werden. Somit werden die neuen Besucher natürlich herzlichst aufgenommen, wenngleich dies der letzte Streich vor dem verdienten Ruhestand sein soll. Jedoch muss eine solche Schar an Gästen erst einmal in mundgerechte Häppchen verarbeitet werden. Da das Zeit in Anspruch nimmt, muss deren Weiterreise verhindert werden. Dies glückt, da die meisten in durch das nötige Mittel in Schlaf bzw. Octave mit Matilde in Beischlaf verfallen. Priester Canus hingegen nimmt Madame Martin kurzerhand die Beichte ab und wird so zum Mitwisser, der dank Schweigegelübde die anderen nicht warnen kann. Da bleiben ihm nur verzweifelte Rettungsversuche. Verzweifelt deswegen, weil Beichtgeheimnis klare Worte und schnarchende oder kopulierende Opfer zielführende Taten verhindern. Letztlich kann nur das zufällige Auftauchen zweier Gesetzeshüter das große Schlachtfest verhindern. Dass dies jedoch kein Happy End bedeutet, passt letztlich perfekt zur bösen Satire.


Vier verschiedene Verfilmungen

Mittlerweile wurde der Stoff vier mal verfilmt, wobei jeder den Titel „L’auberge rouge“ trug. Zum ersten mal geschah dies 1910 als Stummfilm, welcher aber auch unter dem Alternativtitel „The Red Inn“ bekannt war. Regie führte hier Camille de Morlhon. 1923 kam die zweite Verfilmung (Jean Epstein) mit dem gleichen Alternativtitel allerdings nun nicht mehr als Stummfilm auf die Leinwand. 1951 wurde die wohl komischste Verfilmung produziert, bei der Clauda Autant-Lara Regie führte. Die neueste Version stammt von Gerard Krawczyk und wurde 2007 gedreht. Dies ist die erste Version in Farbe, kommt zwar in Sachen Komik nicht ganz an den Vorgänger heran ist aber dennoch ein Muss für Fans von Komödien.

Kritik

Besonders die letzten beiden Verfilmungen fanden zurecht großen Anklang. Allerdings musste sich die diejenige von 1951 zu Beginn noch dem vehementen Zorn des konservativen kirchlichen Publikums erwehren. Zu kirchenkritisch und respektlos seien einige der Reisenden und auch die Ordensmänner dargestellt. Allerdings ist diese Kritik auch eine Auszeichnung für die hervorragend gezeichnete, bitterböse Satire mit genau dem richtigen Maß an komödiantischen Einlagen. Die herzhafte Ironie steckt schließlich vor allem in der unsäglichen Ohnmacht des tragischen Priesters.