„Inside America“ ist ein österreichischer Film von Barbara Eder aus dem Jahr 2010, welcher mit dem Spezialpreis der Jury beim 32. Max Ophüls Filmfestival ausgezeichnet wurde. Es ist insgesamt eine seltene Mischung aus Drama und Semi-Dokumentation. Hauptsächlich von 6 Laiendarstellern wird der Alltag von amerikanischen Teenagern im Ort Brownsville in Texas nahe der Grenze zu Mexiko dargestellt.

Auf diese Weise offenbart der Film eine schonungslose Sichtweise auf den vermeintlichen Amerikanischen Traum, der hier der bitteren Realität in Form von kokainsüchtigen Cheerleadern, patriotischen Waffennarren, skrupellosen Jugendgangs und verzweifelt heiratswilligen Mexikanerinnen gegenübersteht. Wie so oft wird damit eine selten gezeigte aber schlichtweg reale Randerscheinung der US-amerikanischen Gesellschaft aufgezeigt.

Sechs Teenager, ein Schicksal

Die Handlung des Films bezieht sich auf 6 Teenager aus Brownsville, Texas. Dies sind Patty (Patty Barrera), eine junge Latina, für die die Schule einen Überlebenskampf bedeutet und die nahezu alle Hoffnung auf eine Zukunft in ihren Freund Carlos (Carlos Benavides) setzt. Dieser wiederum ist ein illegaler Einwanderer und arbeitet am Drive-In-Schalter eines Tortilla-Schnellimbisses. Mit der Zeit wird er jedoch zunehmend in die eskalierenden Konflikte einer regionalen Gang verwickelt. Wortwörtlich auf der anderen Seite der Gesellschaft ist Aimee (Aimee Lizette Saldivar). Diese ist vornehmlich auf ihre eigene Erscheinung fixiert und darauf bedacht, möglichst gut auszusehen und Aufmerksamkeit zu bekommen, weshalb sie auch das Ziel hegt, Schönheitskönigin zu werden. Ihr Freund ist Ricky (Luis De Los Santos), ein Kadett des Reserveoffizier-Ausbildungsprogramms (kurz ROTC), der insgeheim seine Zeit mitunter damit verbringt aus dem fahrenden Auto mit einer Paintballpistole auf Menschen zu schießen. Zuletzt sind da noch Zuly (Zuleyma Jaime), ein elternloses Mädchen, das aufgrund ihrer rauen Art in keiner Pflegefamilie geduldet wird und schließlich Fuego (Roberto A. Perez) der Gangrivale von Carlos.

Kein Happyend aber dafür die Wahrheit

Den Alltag rund um diese 6 Charaktere und deren Schicksal – oder zumindest einen kleinen, teils entscheidenden Ausschnitt dessen – fokussiert der Film. So wird in der Folge, auch teils auf dokumentarische Art und Weise gezeigt, wie im Klassenraum die Kinder gemeinsam auf die amerikanische Flagge schwören und die Werte und Hoffnungen des „American Dream“ vorgetragen bekommen, während in den Fluren der Schule Polizisten mit Spürhunden die Schränke nach Waffen und Drogen absuchen. Anderswo sollen jugendliche Kadetten an der Waffe und zu militärischen Führungskräften ausgebildet werden, während wiederum Zivilisten sich als fanatische Waffenliebhaber präsentieren. Nicht zuletzt wird auch das Schicksal mexikanisch-stämmiger Mädchen dieser Region dargestellt, die im Prinzip nur darauf hoffen können, einen Mann zu finden, der Ihnen eine wertvolle Zukunft ermöglicht und letztlich aber an diesem Druck zugrunde gehen. Vermeintliche Hoffnungen und Sehnsüchte gegenüber Drogen, Waffen und Gewalt – der Film bietet kein Happyend oder gar Lösungen für die dargestellten Probleme. Stattdessen wird Wert auf die Darstellung der Charaktere und ihrer Geschichten gelegt. Es zeigt sich, dass die Teenager, um dem Schicksal zu trotzen, sich eine gewisse Härte angewöhnen, letztlich aber dennoch tief verletzbar sind.

Das Regiedebut von Barbara Eder

„Inside America“ war Barbara Eders erster Film und direkt ein voller Erfolg. Dank der authentischen Machart und der bitteren Wahrheit, die offenbart wird, sorgte er für reichlich Aufsehen. Nicht ohne Grund wurde er schließlich beim Max Ophüls Filmfestival ausgezeichnet. Für die Regisseurin war die Thematik des Films dabei zuvor keineswegs fremd. Mit 17 Jahren verbrachte sie ein Austauschjahr in der gezeigten Region und lernte somit bereits teilweise unter den Umständen jener Gesellschaft zu leben. Nun kehrte sie zurück und wollte der Welt zeigen, was sie bereits kennengelernt hat.