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„Georg Baselitz – der Film“ ist eine Dokumentation aus dem jahr 2013. Regie führte dabei Evelyn Schels, die sich durch zahlreiche andere Dokumentationen und Portraitierungen einen Namen machte. Unter anderem stammen von ihr zahlreiche Beiträge aus der Reihe „Lebenslinien“ oder die Reihe „Weltbürger und Grenzgänger“ von Arte und Bayrischem Rundfunk. Der Maler und Bildhauer Georg Baselitz ist in der Dokumentation unglaublich authentisch und vor allem überraschend sympathisch zu sehen. Die provokative Kunst, die ihn ein Leben lang begleitet, lässt sich unter diesen Voraussetzungen nur ansatzweise vermuten.

Geboren in Nazideutschland, studiert im Kommunismus – zumindest den Versuch unternommen

Geboren wurde Georg Baselitz 1938 als Hans-Georg Kern in Großbaselitz in der Oberlausitz, Sachsen. Nach dem Krieg war zunächst eine schwierige Zeit für den jungen Baselitz, galt sein Vater doch als bekennender Nationalsozialist. Gerade in der ehemaligen DDR waren das nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für ein Studium. Dennoch machte sich Baselitz 1956 daran, an der Hochschule für bildende Künste in Berlin-Weißensee (Ostberlin) Malerei zu studieren. Der Ausbruch des Nichtsichtbaren und des Unwesentlichen, so wie er es später bezeichnen würde, sorgte schon während des Studiums für Ärger. Nach nur zwei Semestern im kommunistischen Ostberlin wurde er der Hochschule verwiesen und reiste bald darauf nach Westberlin aus.

Baselitz und die Umkehrbilder – das malen, was man nicht sieht

Diese Disharmonie, teilweise aber auch daraus entstehende starke Provokation ist ein Markenzeichen seiner Werke, die aber dennoch in einer überraschenden Harmonie wahrgenommen werden. Keinesfalls beansprucht er für sich, eine unantastbare Ansicht zu vertreten – im Gegenteil. Viele Werke legt er später erneut auf und interpretiert sie dann auch völlig anders – schärfer, anders und aus einem anderen Blickwinkel unter Umständen. Ein erster Durchbruch gelang ihm in den späten 1960ern, als er seine Bilder allesamt auf dem Kopf stehend ausstellte. Was als Provokation geplant war, wurde bald sein Markenzeichen. Zuvor sorgte er bereits für einen ersten Eklat in der damals noch prüden Bundesrepublik. Mit „Die große Nacht im Eimer“ malte er einen masturbierenden Jungen – der Skandal war ihm damit gewiss.

Der Trailer

Ist das tatsächlich Baselitz?

Ausgehend von Schlagwörtern wie Provokation, Disharmonie oder Pornografie überrascht die Dokumentation „Georg Baselitz – der Film“ den Betrachter in erheblichem Maße. Er ist schlichtweg nicht zu entdecken, der vielleicht unsympathische Eigenbrötler, der irgendwelche skurrilen Ansichten zum Besten geben möchte, um damit vielleicht sogar noch eine noch tiefere Botschaft zu verbinden, die sich aber nur dem Maler und Bildhauer erschließen würde. Nein, im Gegenteil: der Film „Georg Baselitz“ zeigt einen sympathischen Maler und Bildhauer, der seine Arbeit liebt. Der seit über 50 Jahren mit seiner Frau beinahe schon spießig gutbürgerlich verheiratet ist und der auch gerne darüber Auskunft gibt, was in seinem Leben an entscheidenden Wendepunkten stattfand.

Nicht nur ein großer Künstler, sondern auch ein wahrlich sympathischer

Dabei verliert sich Baselitz aber in keinster Weise in einer Selbstbeweihräucherung. Vielmehr erzählt er sachlich, ohne das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Zu sehen ist auch ein Künstler, der seine Bilder stets auf de, Boden malt, andernfalls wäre die Farbe einfach zu verlaufen, würde die Leinwand stehen. Tupfen, Wischen, ein Farbstrich hier, ein neuer Klecks dort – mit einer enormen Akribie ist der Meister bei der Sache. Aber auch das Erschaffen einer Holzskulptur mit der Motorsäge lässt nicht den Anschein entstehen, dass hier ein erfolgreicher Künstler von 75 Jahren präsentiert wird, der das eigentlich nicht mehr nötig hätte.

Das Baselitz-Portrait hin zum Baselitz-Porträt der heutigen Tage – ein künstlerischer Meilenstein von Evelyn Schels

Nein, es ist nach wie vor dieselbe große Leidenschaft, die das Schaffen von Georg Baselitz ausmachen. Evelyn Schels ist damit auch ein ganz besonderes Portrait gelungen, denn eins ist ein heute schon unumstößlicher Fakt: Baselitz, der seinen Künstlernamen von seinem Geburtsort ableitet, gehört zu den größten deutschen Malern der Nachkriegszeit bis in die heutige Zeit des Internets hinein. Schels konnte Baselitz dabei über einige Jahre begleiten, was diese seltenen Einblicke auch in das ansonsten gut abgeschirmte und eher leise Privatleben eines großen Malers ermöglicht, ohne dabei voyeuristisch zu erscheinen. Die Dokumentation als Meilenstein zu bezeichnen, ist dabei sicher nicht übertrieben, denn sie wird noch in vielen Jahrzehnten maßgeblich dazu beitragen, dass auch nachfolgende Generationen einen begnadeten Maler und Bildhauer beinahe „live mit dabei“ einordnen können.