„Freischwimmer“ ist eine deutsche Produktion aus dem Jahr 2007 unter der Regie von Andreas Kleinert. Es ist insgesamt ein Zusammenspiel von Drama, Thriller und Jugendfilm. Es wird die schon oft erzählte Grundidee des jungen Außenseiters auf eine Art und Weise umgesetzt, die letztlich doch eher die Gesellschaft, welche um den vermeintlichen Sonderling herum besteht, als alles andere als normal darstellt. Inszeniert im kleinen Rahmen einer deutschen Provinzstadt, ergibt sich insgesamt eine Geschichte, die es dem Zuschauer bis zuletzt schwer macht, sich mit einer der handelnden Charaktere zu identifizieren oder überhaupt deren Verhalten genauer zu deuten und dadurch die Frage zu beantworten, wer hier der Gute oder der Böse ist.

Keine Kleinstadt wie jede Andere

Es herrscht scheinbar eine heile Welt in einer provinziellen Kleinstadt irgendwo in Deutschland. Man grüßt sich freundlich und jeder geht von morgens bis nachmittags seinem alltäglichen Beruf nach. Doch die Oberfläche fängt schnell an zu bröckeln und man erkennt dann doch recht schnell das oft bemühte Jugenddrama: Rico Bartsch (Frederick Lau, bekannt aus Die Welle) ist 15 Jahre alt, Schüler am Kafka-Gymnasium und der klassische Außenseiter. Wegen eines schweren Hörfehlers ist er auf ein Hörgerät angewiesen und – wie soll es anders sein – Sport ist keineswegs sein bestes Fach. Von Mitschülern wird er daher gehänselt. Beim Schwimmen wird er von Robert Greiner (Philipp Danne) geschlagen. Dieser ist das genaue Gegenteil von Rico: sportlich, attraktiv und außerdem mit der heimlich umschwärmten Regine zusammen. Auch nach der Schule hört für Rico das unliebsame Leben nicht auf. Der alkoholsüchtige Vater kam einst bei einem Unfall durch Ertrinken ums Leben, was Rico mit ansehen musste, während auch die Mutter und der neue Freund tatenlos zusahen. Der neue Freund ist zu allem übel auch noch der Sportlehrer. Eine seltsame Wendung erfährt das Leben des jungen Außenseiters plötzlich, als sich an dessen Spind in einem Beutel ein vergiftetes Eclair befindet. Bevor er dies jedoch essen kann, schnappt Robert es sich einfach und kommt damit überraschend zu Tode. Rico ist einerseits geradezu froh darüber, doch bleibt nun aus Vorsicht der Schule fern.

Der Trailer

Wer ist hier der Böse?

Damit er jedoch nichts Wichtiges in der Schule verpasst, besucht er zu Nachhilfezwecken den Lehrer Martin Wegner (August Diehl). Dieser immer freundliche Mann, der allein in der von Eltern geerbten Villa wohnt, erweist sich als Gleichgesinnter. Ebenso wie Rico ist er ein Sonderling und teilt sogar seine Leidenschaft für den Modellbau. Außerdem ist er begeistert von Ricos „Fähigkeit“, durch dessen Hörgerät ganz einfach Stille herrschen zu lassen, wenn er es ausschaltet. Die beiden entwickeln eine Art Freundschaft. Wegner zeigt Rico seine Sammlung an detailgetreuen Modellfiguren der gesamten Schulklasse von Rico. Zusammen bauen sie sogar eine Puppe, welche die geliebte Regine darstellen soll. Doch nachdem diese Rico einmal in eine Falle lockt und gemeinsam mit Freundinnen drangsaliert, empfiehlt der Lehrer seinem Schüler, zum Hassabbau die Puppe zu zerstören. Schließlich zerstören die beiden auch alle anderen Puppen und machen anschließend auch vor einem Menschenopfer nicht halt. Spätestens hier offenbart der Film seine Thrillerelemente und setzt zum rasanten Endspurt mit verstörenden Wendungen und dem Ende der grotesken Kleinstadterzählung an.

Effektvolle Mischung

Die Besonderheit des Films liegt zweifelsohne auch in der Mixtur verschiedener Genres. Glaubt man zu Beginn noch, eine Art Kleinstadt- oder viel mehr Jugenddrama vor sich zu haben, so entwickelt es sich durch das unvorhersehbare Drehbuch zu einem Thriller mit durchaus verstörenden Elementen. Beeindruckend sind dabei aber auch die zahlreich vorhandene Symbolik und die Deutungsmöglichkeiten. Die Verbindung vom Tod des Vaters mit der Unfähigkeit Ricos im Schwimmunterricht mag dabei nur das Offensichtlichste sein. Dass das Gymnasium ausgerechnet nach Franz Kafka benannt wurde, ist dann bereits der nächste mehrdeutige Punkte.