die-fremde„Die Fremde“ ist ein Drama aus dem Jahr 2010. Erzählt wird die Geschichte einer deutsch-türkischen Frau, die gemeinsam mit ihrem Sohn dem unerträglichen Zusammenleben mit ihrem gewalttätigen Mann entflieht und Zuflucht bei der eigenen Familie sucht. Auf diese Weise offenbart der Film, an welche Grenzen eine Frau mit solch einem Schicksal beinahe zwangsweise stößt und wie eine Familie jener Gesellschaft dem Druck der Gemeinde unterliegt. Die österreichische Regisseurin Feo Aladag, die ebenfalls das Drehbuch schrieb, inszeniert so den Kampf einer auf sich allein gestellten Mutter gegen traditionelle Werte und Konventionen, welche selbst die eigentlich vorhandene Liebe der Familie überdecken.

Heimat aber kein Heim

Umay (Sibel Kekilli, bekannt aus der Fantasy-Serie Game of Thrones) ist 25 Jahre alt, Mutter des kleinen Cem (Nizam Schiller) und Ehefrau von Kemal (Ufuk Bayraktar). Geboren und aufgewachsen ist Umay, nun jedoch wohnt sie im großen Kreis der Familie ihres Mannes in Istanbul. Doch sie will zurück. Der herrschsüchtige Kemal behandelt sie und das Kind schlecht, schlägt sie und sperrt sie ein. Zu allem Überfluss ist Umay erneut schwanger, doch treibt sie das Kind ab und will die Flucht zurück nach Berlin nun nicht mehr aufschieben. Ohne sich zu verabschieden, reist sie gemeinsam mit Cem ab. Zuerst ist die Familie größtenteils erfreut über den Besuch. Die Eltern Kader (Settar Tanriögen) und Halime (Derya Alabora) sowie die Brüder Acar (Serhad Can), Mehmet (Tamer Yigit) und die Schwester Rana (Almila Bagriacik) empfangen die junge Mutter und ihren Sohn freundlich, doch als sie den Grund für den spontanen Besuch erfahren, kippt die Stimmung schlagartig. Die Tatsache, dass Umay ihren Mann verlassen hat und Cem ohne Vater aufwachsen soll, ist für die türkische Familie nicht hinnehmbar. Um die Schande zu vermeiden, drängt der Vater Umay zur Rückkehr zu ihrem Mann. Diese weigert sich und verbrennt gar ihren türkischen Pass, was die Mutter gar mit einer Ohrfeige quittiert.

Zwischen Ehre und Familie

Als der verlassene Ehemann telefonisch benachrichtigt wird, will dieser die „Deutschländerhure“ gar nicht zurück haben, wohl aber soll der Sohn wieder heimkehren. Es wird der Plan gefasst, dass dies ohne Umays Wissen geschehen soll, jedoch belauscht diese das Gespräch und flieht mit Cem aus der Wohnung in ein Frauenhaus. Umay ist gewillt, ein neues Leben zu beginnen und findet durch eine Freundin aus Kindheitstagen auch eine Anstellung als Küchenhilfe. Unterdessen ist die Familie aufgrund der Schande in der Gemeinde geächtet. Die drohende Aufhebung von Ranas Verlobung kann der Vater nur durch die Erhöhung des Brautgeldes verhindern. Auch die Brüder sind Anfeindungen ausgesetzt und werden gar verprügelt. Unterdessen erfährt der ältere Bruder Acar, wo sich Umay aufhält und wirft mit weiteren türkischen Männern Steine gegen die Fenster des Frauenhauses. Umay und Cem fliehen daraufhin erneut und kommen vorerst bei der Freundin unter. Die Situation eskaliert jedoch weiter. Als die sich nach ihrer Familie sehnende Frau, bei der Hochzeitsfeier der Schwester uneingeladen auftaucht und unter Tränen ihre besten Absichten beteuert und an das Mitgefühl der Anwesenden appelliert, wird sie gewaltsam hinaus befördert. Letztlich sieht der Vater nur noch einen Ausweg, um die Ehre der Familie wieder herzustellen und fasst einen folgenschweren und grausamen Entschluss, welcher ihm selbst wortwörtlich das Herz bricht.

Ein preisgekrönter Film

Auf den Spuren großer Erzählungen wie Theodor Fontanes Effi Briest tritt „Die Fremde“ gewiss in große Fußstapfen. Dennoch ist das Frauendrama ein herausragendes Beispiel für dieses Genre. Dies zeigt sich nicht zuletzt in den zahlreichen Preisen und Nominierungen, die der Film einheimste. Beim Deutschen Filmpreis 2010 gewann Hauptdarstellerin Kekilli als Beste Hauptdarstellerin, während der Film Bronze errang. Nominierungen gab es weiterhin für die Beste Regie, das Beste Drehbuch, den Besten Schnitt und den Besten Nebendarsteller (Settar Tanriögen). Nicht zuletzt war „Die Fremde“ auch als deutscher Beitrag für den Oscar in der Kategorie Bester nicht englischsprachiger Film 2011 ausgewählt.

Der Trailer