der-junge-mit-dem-fahrrard“Der Junge mit dem Fahrrad” ist ein soziales Filmdrama, das 2011 in einer belgischen, italienischen und französischen Koproduktion entstand. Regie führten die beiden belgischen Brüder Luc und Jean-Pierre Dardenne. Die haben sich bereits in der Vergangenheit mit zumeist düsteren und aussichtslosen Sozialdramen bereits einen Namen gemacht. Doch mit “Der Junge mit dem Fahrrad” zeigen sie nun auf, dass es das Leben auch einmal gut meinen kann.

Cyril wird von seinem Vater in ein Kinderheim gebracht – angeblich nur für einen MonatGuy Catoul (Jérémie Renier) schafft es kaum, sein Leben in den Griff zu bekommen. So beschließt er, seinen 11-jährigen Sohn Cyril (Thomas Doret) in ein Kinderheim abzuschieben. Allerdings bringt er nicht den Mut auf, seinem Sohn zu erklären, dass das ein endgültiger Abschied sein soll. Vielmehr verspricht er Cyril, ihn nach einem Monat wieder abzuholen. Tatsächlich wartet der Junge sehnsüchtig auf diesen Tag. Als die Zeit um ist, will er seinen Vater anrufen, doch plötzlich funktioniert die alte Telefonnummer nicht mehr.

Cyril kann nicht glauben, dass ihn sein Vater aufgegeben hat

Die Belegschaft im Heim versucht dem Jungen zu erklären, dass das kein vorübergehender Aufenthalt sein und die Nummer nicht mehr funktioniere, weil sein Vater weggezogen sei. Zudem wisse man auch im heim nicht, wohin. Doch Cyril will das alles einfach nicht wahrhaben. Er vermisst seinen Vater zutiefst, aber auch sein Fahrrad, das er einst von seinem Vater geschenkt bekam. So schleicht er sich eines Tages von der Schule weg und will selbst zur alten Wohnung seines Vaters gehen. Doch dort angekommen, macht niemand die Wohnungstüre auf. Nur ein genervter Nachbar will ihn verscheuchen.

Nun will es der Junge genau wissen und trifft dabei auf eine gute Fee

Natürlich weiß man inzwischen auch im Kinderheim, dass Cyril nicht in der Schule ist. Dass er versuchen würde, seine alte Wohnung aufzusuchen, war auch für das Heimpersonal klar. So dauert es nicht lange, bis Mitarbeiter des Heims hier auftauchen. Doch noch immer glaubt er niemandem. Stattdessen läuft er wieder davon. Er flüchtet sich dabei in eine Arztpraxis und läuft buchstäblich der jungen Friseuse Samantha (Cécile de France) in die Arme. Die stellt sich prompt auf die Seite des Jungen. Zusammen mit dem Personal des Kinderheims geht man nun gemeinsam zum Hausmeister der Wohnanlage.

Der Trailer

Es entsteht eine enge Bindung zu Samantha, doch sein Fahrrad fehlt immer noch, schließlich war es ein Geschenk seines Vaters

Der schließt die Wohnung für den Jungen auf – tatsächlich, alles leer. Auch der Hausmeister bestätigt, dass Guy unbekannt verzogen sei. Doch der kleine Junge lässt nicht locker. Er schafft es, bei Samantha etwas zu wecken, und so besucht ihn die junge Frau immer wieder an den Wochenenden im Heim. Und Cyril erzählt nahezu pausenlos von seinem Fahrrad. Irgendwann sieht Samantha das Fahrrad bei einem anderen Jungen im Viertel. Es stellt sich heraus, dass es Guy an diesen Jungen verkauft hatte. Samantha bringt Cyril sein geliebtes Fahrrad zurück. Der ist auch ganz begeistert, nun wird aber gleichzeitig wieder Hoffnung in ihm geweckt.

Samantha schlägt sich vollends auf die Seite Cyrils

Schließlich kann er Samantha davon überzeugen, sich vollständig um ihn zu kümmern und Cyril zieht bei Samantha ein. Schon bald darauf findet der Junge heraus, dass Guy sein Fahrrad wirklich verkauft hatte – nebst seinem eigenen Motorrad. Wut, Trauer, Ratlosigkeit, Einsamkeit. All diese Gefühle mischen sich für Cyril zu einer unheilvollen Gefühlswelt, in der er aggressiv auf seine Umwelt und damit auch auf Samantha und ihren Freund reagiert. Der stellt seine Freundin sogar vor die Wahl – entweder der Junge oder er, wobei sich die junge Frau für den Jungen entscheidet. Sie glaubt fest an Cyril und so versucht sie nun, seinen Vater Guy ausfindig zu machen. Tatsächlich hat sie Erfolg. Doch steht es in den Sternen, was ein Treffen mit dem Vater von Cyril bewirken wird.

Der Junge mit dem Fahrrad – ein modernes Märchen

Die beiden Brüder Luc und Jean-Pierre Dardenne haben eine hochgelobte Sozialstudie geschaffen, die sich mit kleinsten Details auseinandersetzt. Dabei liegt der Fokus ständig auf den für den Jungen wichtigen Fragen und Antworten. Was mit seiner Mutter geschehen ist oder weshalb sich Samantha trotz seiner teilweise aggressiven Art so fürsorglich kümmert, damit befasst sich der Film nicht. Stattdessen geht er voll und ganz auf die Probleme und damit verbundenen Gefühle für die zusammengebrochene Welt eines 11-Jährigen ein.